6. Zusammenfassung

Der Nordirlandkonflikt.

Irland-Karte

Der Nordirland-Konflikt hat eine lange Geschiche. Schon seit Jahrhunderten bekämpfen sich Katholiken ( die Nachkommen der gaelischen Urbevölkerung in Irland - Eire ) und Protestanten ( die Nachfahren der britischen Kolonisten in Nordirland - Ulster ) um Religion, Land und Regierungsweisen.

Die ersten Unruhen gehen dabei auf das Jahr 1641 zurück: Irland war vormals [ " rein " ] katholisch gewesen; das " Vereinte Königreich " beanspruchte jedoch dauernd das Land für die britische Krone. 1649 folgt die englische Rückeroberung durch Cromwell.

Beim " Orange Day " ist die Niederlage des irischen Königs besiegelt. Daraufhin kommt es zu einer Diskriminierung der Katholiken, die erst 1782 durch die Unabhängigskeiterklärung des irischen Parlaments unterbrochen wird.

Anfang des 19.Jahrhunderts wird Irland schließlich doch Mitglied im " Vereinten Königreich ". Katholiken und Protestanten werden gleichgestellt. In der Zeit 1845-48 stirbt bei einer großen Hungersnot eine Million Menschen " Irish Famine ".

Jahre darauf wird eine Bewegung zur irischen Selbstverwaltung gegründet ( 1870 " Home-Rule " )

Bei Verabschiedung eines Home-Rule-Gesetzes drohen Aufstände in Nordirland. ( 1914 ). Zwei Jahre später beginnt der " Irische Unabhängigkeitskrieg ". Gegen Ende des Krieges wird Irland Freistaat.

Doch nur ein weiteres Jahr darauf bricht ein Bürgerkrieg aus, was eine entgültige Spaltung verursacht. 6 Grafschaften im Norden verbleiben bei Großbritannien - Nordirland.

Schon 1932 wird die IRA [ nationalistische Untergrundbewegung - Irisch-Republikanische Armee ]verboten. [ Im gleichen Jahr irisch-englischer Wirtschaftskrieg. ]

Im folgenen bildet Irland eine neue Verfassung, erklärt sich selbst zur Republik und tritt schließlich 1955 der UNO bei.

In den 60er und 70er Jahren kommt es immer wieder zu Unruhen und Anschlägen. Die IRA reorganisiert sich. Am " Bloody Sunday " ( 1972 ) töten britische Soldaten 14 pro-irische Demonstranten in Derry. Die Fallschirmjäger hatten das Feuer auf Teilnehmer eines Bürgerrechtsmarsches eröffnet. Den " Blutsonntag " beantwortet IRA mit Anschlägen. Autobomben der IRA töten in Belfast elf Menschen. Die britische Regierung enthebt die protestantisch-dominierte Verwaltung der Provinz vorübergehend ihrer Vollmachten und regiert von London aus.

1973 scheitert das " Sunningdale Abkommen ", der Notstand wird ausgerufen. Die 80er Jahre sind gekennzeichnet von blutigen Anschlägen. 1984 scheitert das " New Ireland Forum " ebenfalls; Monate später wird mit dem " Hillsborough Abkommen " erneut eine Einigung versucht.

In den 90er Jahren kommt es endlich zu Fortschritten in Richtung Frieden. 1993 unterzeichnen die Premiers von Großbritannien und Irland eine " Rahmenvereinbahrung für den Frieden ". Die IRA verkündet einen Waffenstillstand. Sogar die IRA-nahe Partei " Sinn Fein " nimmt erstmals an den Gespächen teil. 1996 kündigt die IRA jedoch den Waffenstillstand auf, erneute Anschläge, Tote, Verletzte.

1996 schließlich beginnen die " Allparteien-Gespräche " unter der Vermittlung des ehemaligen US-Senators George Mitchell; Sinn Fein wird vorerst wegen der Anschläge ausgeschlossen, bis die IRA einen neuen Waffenstillstand verspricht.

Die Bevölkerung Irlands und Nordirlands stimmen mit überwältigender Mehrheit dem " Belfaster Friedensvertrag " zu. Katholiken und Protestanten unterzeichnen das Abkommen. Dem Vertrag folgend werden Terroristen aus den Gefängnissen freigelassen.

Am 16.10.1998 wird dem Unionisten David Trimble ( UUP ) und dem gemäßigten katholischen Nationalisten John Hume der Friedensnobelpreis verliehen.

Juni 1999: Endphase der Verhandlungen unter Beteiligung von Tony Blair und dessen irischem Kollegen Bertie Ahern - den protestantischen Oraniern wird wie im Vorjahr ein Siegesmarsch durch die katholische Garavghy Road in Portadown verboten.

Juli 1999: Gerry Adams und Martin McGuinness ( Sinn Fein ) signalisieren Bereitschaft zur Einigung, bestehen aber auf Beteiligung an der künftigen nordirischen Regierung - neuer Plan soll die beiden zu Ministern erklären - IRA-Abrüstung bis Mai 2000 - kanadischer General John de Chastelain soll sie überwachen - bei Nichteinhaltung würden die Sinn-Fein-Minister entlassen - wachsende Spannungen im Vorfeld des verbotenen Oranier-Marsches durch Portadown - Trimble verweigert Sinn Fein den Ministerposten im Voraus, " no guns, no government ".

August: Trotz Waffenstillstand Gewalt seitens der IRA - IRA hat Polizeicharakter in republikanischen Gebieten.

September: Verhandlungen scheitern an Streit um Abrüstung - Trimble verweigert im folgenden den direkten Dialog - nordirische Polizeigewerkschaft droht mit Rebellion.

November: Konfliktparteien stehen vor Einigung, Trimble überzeugt eigene Partei ( UUP ) - US-Senator Mitchell weiterhin als Mittelsmann, sorgt für entspanntes Klima.

Dezember: Am 2. beginnt eine neue Selbstverwaltung in Nordirland - Amtsgewalt geht von London an Provinzregierung in Belfast - erste Minister Trimble ( UUP ) und Stellvertreter ( Nationalist Seamus Mallon ) - Katholiken werden in öffentlicher Verwaltung vertreten sein - Polizeitruppe wird neu formiert, als Repräsentant der gesamten nordirischen Bevölkerung.

Großbritannien zieht Truppen ab - IRA und die großen paramilitärischen Organisationen lösen freiwillig die Waffenarsenale auf.

Im Februar 2000 wird der Abrüstungsfrage eine letzte Frist gesetzt, bevor Nordirland wieder wieder London unterstellt wird - UUP könne nicht mehr mit Sinn Fein zusammen arbeiten, solange die IRA sich weigere, konkrete Abrüstungsschritte zu unternehmen - Trimble droht mit Rücktritt - " Pausenplan ", Suspendierung der nordirischen Regierung - Sinn Fein warnt vor Gegenmaßnahmen seitens der IRA.

Ostern 2000: IRA-Dissidenten nutzen die Frustration zur Rekrutierung eigener Truppen - die Unionisten verweigern Zusammenarbeit, solange die IRA nicht Abrüstungsvorleistungen erbringt - die Republikaner wollen nicht abrüsten, solange die Unionisten den Rest des Friedensvertrags nicht erfüllen wollen.

08.07.2000: Der jährliche Oranier-Marsch in Portadown verläuft friedlich, doch kommt es später doch wieder zu Randalen, als jugendliche Protestanten die Absperrungen zum Katholiken-Viertel durchbrechen wollen und sich eine Schlacht mit der Armee liefern. Zwei Tage darauf kommt es auch in der Hauptstadt Belfast zu Ausschreitungen.




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